Über die Stadt Frankfurt

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Historie

historischer Stcih des Frankfurter DomsDie Geschichte von Frankfurt am Main ist die Geschichte der Entwicklung von einer Kaiserpfalz zur Bankenmetropole Europas. Die Geschichte eines Hügels am Mainufer an einer Furt, der sich zur kleinsten Metropole der Welt (wie die amtierenden Ratsleute sie gerne selbst bezeichnen) entwickelte. Die Spitze des Domturmes markiert die geographische Lage der Stadt bei genau 50° 6' 42,5" Nord und 8° 41' 9,4" Ost; wobei diese exakten Zahlen keinen Aufschluss über die wechselvolle Historie jener Stadt geben, die oft im Zentrum deutscher und europäischer Geschichte stand, ohne jemals echte Hauptstadt gewesen zu sein. Dennoch wird Frankfurt am Main oft in deutschen Medien als Hauptstadt bezeichnet: Finanzhauptstadt; Bankfurt oder Mainhattan.

Aufstieg zur Metropole Westdeutschlands

Die schwer zerstörte Stadt entschied sich im damaligen Geiste der Stadtplanung zu einem modernen Wiederaufbau des historischen Stadtkerns unter weitgehender Beibehaltung des alten Straßennetzes.

1946 wurde Frankfurt Teil des neu gegründeten Bundeslandes Hessen. Die ehemalige Stadtrepublik war erst seit 1866 widerwillig Teil eines Flächenstaats und hatte zuvor nie zu Hessen gehört. Konsequenterweise bewarb sich Frankfurt auch nicht um den Sitz der Landesregierung (die dann nach Wiesbaden zog).

Die amerikanischen Streitkräfte, die das vormalige I.G.-Farben-Haus zu ihrem europäischen Hauptquartier gemacht hatten, favorisierten die sich in dieser Zeit auch wieder im Geist der Paulskirche gerierende Stadt (am Jahrestag 18. Mai 1948 wurde eine Gedenkfeier abgehalten) ebenfalls als potentiellen Hauptstadtsitz. Später wurde die Stadt zunächst der Hauptverwaltungssitz der Trizone. Dadurch wurde Frankfurt tatsächlich aussichtsreichste Kandidatin für die Wahl zur Bundeshauptstadt (Dankesrede von Walter Kolb). Man baute sogar schon einen Plenarsaal, der heute als Sendesaal des Hessischen Rundfunks dient. Nach einer äußerst knappen Entscheidung, bei der die SPD-Abgeordneten mehrheitlich für Frankfurt und die CDU-Abgeordneten zum größten Teil für das von Konrad Adenauer favorisierte Bonn stimmten, wurde letztendlich die Stadt am Rhein gewählt. (Siehe dazu auch: Hauptstadtfrage der Bundesrepublik Deutschland). Die Enttäuschung war auch in der Bevölkerung groß, doch der Bürgermeister sah nach vorn und kommentierte schließlich die Niederlage mit den Worten:
"Damit wird Frankfurt bald wieder im deutschen und internationalen Wirtschaftsleben seine führende Stellung einnehmen. Die günstige Verkehrslage und der hier vorhandene modernste Flugplatz Europas, der ein Tor zur Welt darstellt, werden zur Erreichung dieses Ziels beitragen."

Durch den Ausfall des geteilten und von Westdeutschland aus schwer erreichbaren Berlin aus der deutschen Städtekonkurrenz und durch seine zentrale Lage im westdeutschen Teilstaat übernahm Frankfurt zahlreiche Metropolfunktionen, die zuvor in Berlin (und Leipzig) angesiedelt waren, vor allem als Finanzplatz und Unternehmensstandort sowie als Verkehrsknoten. Da Bonn trotz der Rolle als Regierungssitz im nationalen Städtesystem keine bedeutende Rolle außerhalb der Politik spielte, nutzten Frankfurt, Hamburg und München die Chance, sich von regional ausgerichteten Großstädten zu internationalen Metropolen und den drei westdeutschen de-facto-Hauptstädten zu entwickeln.

Politik

Politisch in die Schlagzeilen geriet Frankfurt 1963, als im neuen Bürgergemeinschaftshaus Gallus der Auschwitz-Prozess stattfand.

John F. Kennedy besuchte 1963 Deutschland und sprach am 25. Juni in der Frankfurter Paulskirche. Seine Worte (mit dem Hintergrund der überstandenen Kubakrise zu betrachten), die in dem Fazit mündeten: "Niemand soll von dieser unserer atlantischen Generation sagen, wir hätten Ideale und Visionen der Vergangenheit, Zielstreben und Entschlossenheit, unseren Gegnern überlassen." sind wie die vieler anderer Redner in einem Relief in der Außenmauer verewigt. Er trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein, ebenso wie nach ihm auch Jimmy Carter, der Dalai Lama, Michail Gorbatschow und Yassir Arafat, um nur einige zu nennen.

Sechs Jahre nach dem Auschwitz-Prozess, am 2. April 1969 waren es die Kaufhausbrandstiftungen von Baader und Ensslin mit der sich gleichzeitig konstituierenden RAF, die in Frankfurt begannen, Deutschland zur Terrorbekämpfung nötigten und ihm Gesetze aufzwangen, welche die Republik veränderten. Zuvor hatte auch und gerade Frankfurt durch vehemente Studentenproteste und Straßenkämpfe von sich reden gemacht.

Auch ist inzwischen die oft zitierte multikuturelle Gesellschaft in Frankfurt längst Realität. 200.000 Einwohner, das sind fast ein Drittel der 650.000 Menschen der Mainstadt, kommen im Jahre 2004 nicht aus Deutschland, sondern aus 180 verschiedenen Ländern der Erde. Eine behutsame Integrationspolitik hilft bei deren Eingliederung.

Wirtschaft

Die Frankfurter Messe konnte ihren seit Beginn des Jahrhunderts andauernden Niedergang beenden und sich zum wichtigsten Messeplatz in Europa entwickeln. Genauso wie bei der Ansiedlung zahlreicher Verlage und der Pelzindustrie profitierte Frankfurt hier von der teilungsbedingten Ausschaltung Leipzigs.

So fand die deutsche Buchmesse nach dem Krieg nicht mehr in Leipzig, sondern in Frankfurt am Main statt, die weiterhin ausgerichtete Leipziger Buchmesse konnte erst nach der Wiedervereinigung wieder über Ostdeutschland hinausgehende Bedeutung erlangen. Heute findet die Frankfurter Buchmesse jedes Jahr im Herbst statt, die Leipziger im Frühjahr. Auch die zweijährlich im September abgehaltene Automobilmesse IAA ist eine weltweit bedeutende Ausstellung und Publikumsmagnet.

Die Bank deutscher Länder (1948) und ihre Nachfolgerin, die Deutsche Bundesbank (1957) nahmen ihren Sitz in Frankfurt, in ihrer Folge auch die meisten deutschen Großbanken. Die Frankfurter Wertpapierbörse wird zum zweitwichtigsten Handelsplatz in Europa. 1962 wurde das Zürich-Hochhaus gebaut, der erste richtige Wolkenkratzer der Stadt. Zahlreiche weitere sollten ihm folgen.

Europäische Schule in Frankfurt

Frankfurt wird Sitz des Europäischen Währungsinstituts und 1998 von dessen Nachfolgerin, der Europäischen Zentralbank (EZB). Zur Zeit ist man dabei, auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle ein neues Gebäude dieser Bank zu errichten. Für die Kinder der dort beschäftigten Mitarbeiter hat man bereits die Europäische Schule gebaut. Zur Zeit (2004) existieren in der oft auch als Bankfurt kolportierten Stadt am Main 337 Kreditinstitute inklusive Wertpapierhandelsbanken, davon allein 199 ausländische Institute, mit insgesamt 76700 Beschäftigten. Auch die Zahl von 3300 Werbeagenturen und 510 PR-Agenturen, sowie über 1800 Unternehmensberatungsfirmen zeugen von der Bedeutung der Finanzhauptstadt Deutschlands.

Verkehr

Wie von Oberbürgermeister Kolb 1948 prognostiziert, ist der Rhein-Main-Airport der wichtigste Flughafen in Europa.

Um der zunehmenden Verkehrsbelastung aus dem Weg zu gehen, beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Bau einer U-Bahn, deren erste Strecke am 4. Oktober 1968 in Betrieb ging. Zehn Jahre später nahm die Frankfurter S-Bahn ihren Betrieb auf. Am Hauptbahnhof, der Hauptwache und der Konstablerwache entstehen große unterirdische Schnellbahnknoten. Seit den 80er Jahren immer wieder diskutierte Planungen, den Hauptbahnhof von einem Kopfbahnhof zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umzubauen (Projekte wie Querdenken, TU Darmstadt, 80er Jahre oder Frankfurt 21 Ende der 90er) wurden nicht weiterverfolgt. 1972 eröffnete das neue, große Terminal am Flughafen (heute Terminal 1).

Stadt und Region

Planungen für eine nach Berliner Vorbild in Stadtbezirke gegliederte Regionalstadt Frankfurt mit knapp 2 Millionen Einwohnern scheiterten am Widerstand der Umlandgemeinden und der Unentschlossenheit der Landesregierung. Zur Lösung gemeinsamer Aufgaben von Stadt und Vorortgemeinden entstand statt dessen 1975 der Umlandverband Frankfurt (UVF), dem 43 Gemeinden angehörten. Bei der Hessischen Gebietsreform 1972-77 wuchs Frankfurt nur geringfügig, vier Dörfer und eine Kleinstadt im Nordosten der Stadt werden eingemeindet. Wie in allen Stadtregionen der westlichen Welt verlagern sich auch in Frankfurt seit den 60er Jahren Wohnfunktion und wirtschaftliche Aktivitäten immer mehr in Umlandgemeinden.

Durch das Hessische Ballungsraumgesetz wurde der Umlandverband 2001 aufgelöst und durch einen auf reine Planungstätigkeit reduzierten Planungsverband ersetzt.

Kultur

Die Paulskirche ist noch heute ein Kultursymbol für die Freiheit.

Wie in der Gründerzeit sind es in Frankfurt weniger der Magistrat mit seiner Kulturabteilung, als wieder Mäzene, Bürger und inzwischen Bürgerinitiativen, die für die Kultur in Frankfurt verantwortlich zeigen und zahlreiche Projekte durch finanzielle Mittel unterstützten oder aber erst durch Spendensammlungen ermöglichten. Die Deutsche Bibliothek, heute Teil der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), wurde 1947 in Frankfurt angesiedelt und 1952 auch mit Mitteln des Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Stiftung etabliert. Der international bedeutende Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 jährlich, anlässlich der Frankfurter Buchmesse von jenem Verein in der Paulskirche an Persönlichkeiten verliehen.

Am Sachsenhäuser Mainufer entstand in den 80er Jahren neben dem bestehenden Städel und dem Liebieghaus eine Folge bedeutender Museen (Museumsufer); international bekannt ist zum Beispiel das Deutsche Architekturmuseum (DAM), das Filmmuseum, das Museum für Kunsthandwerk, das Museum der Weltkulturen, das Museum für angewandte Kunst und das Museum für Kommunikation. Die Ausstellungshalle Schirn und der geplante neue Portikus kamen in jüngster Zeit hinzu. Anstelle des nur geringfügig kriegszerstörten Schauspielhauses entstand Anfang der 60er Jahre eine moderne Theaterdoppelanlage für Oper und Schauspiel. Die Ruine der Alten Oper wurde nach Intervention einer Bürgerinitiative wiederaufgebaut, die durch Spendensammlungen die von Bürgermeister Rudi Arndt (Beiname Dynamitrudi) angeregte Sprengung der Ruine verhinderte; seit der Eröffnung 1982 dient sie als Konzerthaus. Das 2004 geschlossene Theater am Turm gehörte zu den bekanntesten Avantgarde-Bühnen in Deutschland. Das Varietee Tigerpalast und die Entwicklung der Techno-Kultur entstanden in Privatinitiative.

Frankfurt, Banken und Banditen

Frankfurt war in den vergangenen 50 Jahren der wichtigste Finanzplatz in Deutschland und nach London der zweite in Europa. Seit Beginn des neuen Jahrhunderts wird die Zukunft des Finanzplatzes auch mit Sorge gesehen; wichtige Akteure gelten als Übernahme- oder Fusionskandidaten (etwa die Deutsche Börse AG oder die Commerzbank) oder wurden, wie die Dresdner Bank AG, bereits durch auswärtige Konzerne übernommen. Innerhalb Deutschlands gilt die Mainmetropole aber immer noch als Hauptstadt des Verbrechens, als Kriminalitätskapitale. Tatsache ist: Frankfurt liegt statistisch mit 18117 Straftaten (2004) pro 100 000 Einwohner vor Berlin (15928) und Bremen (15781) und hat diesen fragwürdigen ersten Platz auch schon länger inne. Allerdings, darauf weist der Polizeipräsident Frankfurts hin, seien in dieser Statistik weder die täglichen 300 000 Pendler, die in die Innenstadt strömen, noch die täglich bis zu 180 000 Flugreisenden berücksichtigt, die zusammen ein hohes Maß Anteil an den Straftaten haben. Außerdem gehe der hohe Anteil an Kriminalität auf die durch vermehrte Kontrollen in den öffentlichen Verkehrsbetrieben ertappten Schwarzfahrer zurück und deshalb könne man den Big Ebbel, wie die Stadt auch in Anlehnung an New York unter Berücksichtigung des Hessischen Nationalgetränks bezeichnet wird, höchstens als Hauptstadt der Kleinkriminalität bezeichnen.